Wie ein Kobold weise wurde

 

 

Eine Geschichte? Nein, nicht einfach nur eine Geschichte … in jeder noch so kleinen Erzählung stärkt eine Wahrheit, die aus dem tiefsten Inneren der Seele kommt, denn alle unsere Seelen tragen einen unsterblichen Kern. Also, kann man aus allem was da geschrieben steht für sich selbst auch noch etwas herausziehen …

Mag sein, dass einige Zeit ins Land streicht bevor Gedanken an die Oberfläche kommen, die wir irgendwann einmal in irgendeinem gehaltvollen Büchlein lasen, doch die uns gerade in diesem Augenblick zutiefst bewegen, uns aufatmen lassen und uns einen Hauch von unendlicher Freiheit erfühlen lassen. Nun denn …

Kobolde … lustige, kleine und in unseren Augen hässliche Kreaturen aus der Welt der Fabelwesen, die in keinem Feenreich fehlen dürfen und allerhand Schabernack – besonders mit Menschen – treiben.

Ein noch recht junger Kobold – nennen wir ihn Inuri, um eventuellen Verwechslungen mit anderen zukünftigen Charakteren vorzubeugen – lebte tief im Wald, verborgen im Wurzelreich einer fünfhundertjährigen Eiche.

Seine Nahrung waren Käfer, Würmer und anderes Getier was er sich auf seinen Wanderungen zusammensammelte.

Da er fast immer Langeweile hatte fiel ihm nichts Besseres ein als dem gewöhnlichen Menschenvolk – wie er es gern nannte – arg zuzusetzen.

Er führte so Manches im Schilde und ein gar fürchterlicher Ruf eilte ihm voraus, da sich dieser kleine, garstige Kobold bei den Menschen selbst sehr unbeliebt gemacht hatte.

Was tat er nicht alles, um diesen Ruf auch weiterhin zu festigen, denn nur ein böswilliger Kobold war ein guter Kobold und es wurde unter seinesgleichen schwer bestraft wer ganz plötzlich und aus heiterem Himmel die Fronten wechselte … nicht mehr groben Unsinn trieb, sondern den Menschen mit guten Taten diente.

Doch nicht so Inuri, denn er war ein Musterbeispiel seiner Art und ein Ausbund an Bösartigkeit und Missgunst. Keiner kam ihm gleich und nicht einmal der älteste Kobold wagte es sich ihm in den Weg zu stellen, um ihn in seinem Verhalten zu zügeln und ihn zur Mäßigung zu bewegen.

So war es ihm ein großer Spaß Menschen, die ihm Wald Holz hackten, von hinten eine mit dem Holzknüppel überzuziehen, so dass diese besinnungslos und mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden stürzten. Dabei war es ihm egal, ob der soeben Dahingeraffte gute Absichten hegte oder nicht. Wichtig war einzig und allein, dass er mal wieder etwas für seinen Ruf tat und selbst vor Frauen und Kindern machte er dabei nicht halt.

So lebte er dahin … baute Gruben und Baumfallen in die sich die Menschen verfingen und sie konnten meist nur dann ohne größeren Schaden aus der Situation entkommen, wenn gerade ein anderes Menschlein des Weges kam und ihnen aus ihrer Misere heraushalf.

Doch irgendwann kam die Zeit als sich die Feenkönigin des Waldes ob seiner Grobheiten und Gewalttätigkeiten dachte, dass es an der Zeit wäre ihm endlich eine Lektion zu erteilen und ihn zur Einsicht zu bringen.

Sie ersann eine List und wen wohl nutzte sie, um ihn zur Vernunft zu bringen und ihn Reue und Ehrfurcht vor lebenden Wesen zu lehren … ein kleines Menschenkind.

Nun, es war das Kind einer schönen Fee und ihr Gemahl war ein schöner Jüngling aus dem Menschenreich … doch starb die Mutter des Mädchens früh und so wurde es im Reich der Menschen vom Vater großgezogen ohne das es wusste, dass es eigentlich ein Mischwesen war … halb Mensch und halb Fee.

Mit diesem zarten Geschöpf nun gedachte die Fee den Kobold zu überlisten und in seine Grenzen zu weisen, um ihm seine unrechte Handlungsweise vor Augen zu führen und sein Herz für die Güte und Liebe zu öffnen.

Das kleine Mädchen, dass dem Kobold Gehorsam und Achtsamkeit lehren sollte hieß Larasa.

Als nun wieder einmal der Sommer begann und draußen alles grünte und blühte und die Zeit der Beerenernte in vollem Gange war beschloss Larasa in den Wald zu gehen, um ihrem Vater mit einem Körbchen voll frischer Himbeeren eine Freude zu machen. Denn noch immer trauerte er um seine geliebte Frau, die die Feenwelt als Sterbliche verlassen musste, da es ihr verboten war sich mit einem Menschen einzulassen und schon kurz nach der Geburt des Mädchens starb, da sie die endgültige Trennung von Eltern und Geschwistern und ihrem schönen Wald nicht ertragen konnte.

Larasa nun ging munter ein Liedchen summend in den Wald hinein und erfreute sich an all den schönen Dingen … den Vögeln, die fröhlich zwitscherten, dem Bächlein, dass silbern floss und den Bäumen, deren Blätter bedächtig und träge rauschten und im Wind hin- und herwogten.

Das alles gefiel ihr sehr und sie jauchzte vergnügt und jagte den Schmetterlingen und Bienen hinterher so als ob sie sie einfangen wollte.

Hier nun nimmt das Schicksal seinen Lauf und es kommt zu einer Begegnung von der die beiden Beteiligten nichts ahnen und die doch von der Feenkönigin gut vorbereitet wurde. Und um den Erfolg nicht zu verfehlen wurden nur ihre engsten Berater eingeweiht, die dem Ereignis aus sicherer Distanz beiwohnen sollen, um im Notfall dem kleinen Mädchen zu Hilfe zu eilen.

Inuri, unser garstiger Kobold auf dem Weg zu einem seiner nächsten Streiche, war gerade dabei an einer großen Buche eine Fallgrube mit Laub und Reisig abzudecken als Larasa keine zwei Bäume weiter ihre ersten Beeren sammelte und munter ein nach der anderen in ihr Körbchen legte.

Noch wusste sie nichts von der nahen Gefahr, die ihr lauerte und erfreute sich an den Sonnenstrahlen, die sich durch das Blätterwerk der Bäume stahlen und auf dem Waldboden lustige Lichtspiele zauberten.

Inuri jedoch der einen Menschen schon von weitem mit seiner feinen Nase wittern konnte hatte Larasa bereits wahrgenommen und versteckte sich hinter einen Baum, um ihr aufzulauern und sie zu erschrecken.

Das kleine Mädchen aber war schlau und hatte ebenfalls bemerkt, dass jemand sie verstohlen aus dem Dickicht der Bäume beobachtete, somit richtete sie ihr Augenmerk auf den Baum hinter dem sie Inuri vermutete.

Auch der Baum, eine weise Buche, spürte Inuris böse Absichten und ließ ihn nicht mehr aus den Augen. Denn auch die Bäume eines Feenwaldes sind anders als gewöhnliche Bäume, in jedem von ihnen steckt ein wacher Geist, der die knorrigen Bewohner des Waldes vor missgünstigen Kreaturen schützt und Eindringlinge gezielt abwehrt.

Schon war Inuri dabei sein Netz über die kleine Larasa zu werfen als diese sich blitzschnell umdrehte und sich in einen Schmetterling verwandelte, der vor seinen Augen in die Höhen der Baumwipfel entkam und sich hoch oben auf einem Ast niederließ.

Da sie zur Hälfte eine Fee war konnte sie sich in jedes nur erdenkliche Wesen verwandeln, um ihrem Angreifer ein Schnippchen zu schlagen, der ja nicht ahnen konnte wen er da vor sich hatte. Verblüfft schaute Inuri auf den Schmetterling, der ihn missgünstig beäugte und ihm war klar, dass nur eine Fee hinter diesem Zauber stecken kann, auch wenn er zuvor noch dachte er hätte es mit einem Menschenkind zu tun.

Der Geruch, den er vernahm war der eines menschlichen Wesens, doch war ihre Seele die einer Fee.

Auch die alte Buche war etwas verwirrt ob der wundersamen Verwandlung und schaute hoch in ihre Baumkrone auf der die kleine Larasa saß und vergnügt mit ihren Flügeln schlug.

Inuri wollte sich mit dieser Niederlage nicht zufrieden geben und ersann eine neue List wie er des verzauberten Mädchens doch noch habhaft werden könnte. In seiner Dummheit, denn Kobolde sind nicht die Schlauesten, nahm er seine Axt und wollte soeben den Baum auf dem Larasa saß, fällen.

Mit einem Mal, er hatte gerade den ersten Schlag getan, verspürter er einen heftigen Schmerz in der Lendengegend uns sah mit Schrecken, dass die Wurzeln des Baumes sich in die Höhe hoben und er bedrohlich in seine Richtung schaukelte, so als hätte er Beine bekommen.

In ihrer Wut ob der Grobheit und Einfältigkeit des Koboldes vergaß die alte Buche ihre guten Manieren und versetzte dem verängstigten Inuri so einen zweiten harten Stoß mit einem ihrer Äste, dass er besinnungslos zu Boden stürzte und sich nicht mehr rühren konnte.

Larasa, die dem Schauspiel von oben zusah flatterte rasch auf als sie die Regung des wütenden Baumes spürte und landete zu den Füßen des Koboldes, der geschlagen am Boden lag.

Sie sah ihn mitfühlend, aber tadelnd, aus wiesengrünen Augen an und überlegte wie man ihn wieder wach bekommen könnte.

Da nahm sie etwas Tau aus einer der wunderschönen Glockenblumen, die rings um den Baum standen, und benetzte damit seine Nase.

Inuri öffnete ein Auge und blinzelte ins Sonnenlicht, konnte aber nicht sofort erkennen, dass die kleine Larasa vor ihm kniete und darauf wartete, dass

er wieder zu Bewusstsein kam. Er versuchte sich aufzusetzen und in diesem Moment wurde ihm plötzlich klar, was gerade passiert war und er sprang erschrocken auf, um sich vor der uralten Buch in Sicherheit zu bringen.

Larasa verwandelte sich zurück in ihre menschliche Gestalt und zuppelte an

des Kobolds Jacket damit er ihrer gewahr wurde.

Erstaunt blickte er das feenhafte, aber doch sehr menschlich wirkende kleine

Mädchen an und hörte sie leise, aber mit Nachdruck sagen:

 

„Lass’ Pflanzen und Tieren ihre Ruh’,

füge ihnen kein Leid mehr zu,

dann erkennen und schätzen sie Dich,

und sie unterstützen Dich.

Sei immer Ihr Freund und nicht Ihr Feind,

dann seid Ihr ewiglich in Frieden vereint.“

 

Der Kobold erkannte sofort im tiefsten Inneren seines Herzens die Wahrheit dieser Worte und schwor bei allem was ihm lieb’ und teuer wahr, er wolle

keiner Pflanze und keinem Tier mehr etwas zu Leide tun, sondern von nun

an für ihren Schutz und ihr Wohlergehen sorgen.

 

 

Das Mädchen im Zaubergarten

 

 

Zu einer Zeit, als noch Frieden unter den Menschen herrschte und alle mit der Natur und ihren Tieren in Einklang lebten, gab es irgendwo auf der Welt einen Garten, der unter den Menschen als Zaubergarten bekannt war.

Niemand wusste genau warum er diesen Namen trug, aber überall erzählte man sich eine alte Sage, die die Entstehung dieses Namens wohl erklärte.

Eine Großmutter erzählte sie eines Tages ihrer Enkelin.

Diese lauschte gespannt und hatte ihre Augen vor lauter Staunen weit aufgerissen.

Es war einmal vor langer, langer Zeit …

Niemand kann mehr genau sagen, wie viele Jahre es her sein mag.

Da gab es einen wunderschönen Garten mit großen, hohen Bäumen, duftenden Blumen in allen Farben und einen kleinen See, der sich in der Mitte des Gartens befand.

Die Leute erzählten sich, dass immer abends um Mitternacht unter den Bäumen ein bildschönes Mädchen erschien, das um den See wandelte und nach drei Umrundungen wieder im Nichts verschwand.

Sie hatte goldenes Haar, grüne Augen, war von zierlicher, feenhafter Gestalt und hatte ein strahlend weißes Kleid an, in welches Silberfäden eingewebt worden waren. Die Füße jedoch waren nackt.

Ihr Name, so hieß es, sei Saranja.

Eines Tages jedoch hörte der Jüngling Doranius, der am anderen Ende der Welt lebte, von der Sage des Mädchens und beschloss die weite Reise zum Zaubergarten auf sich zu nehmen.

Es trieb ihn die Sehnsucht, sie nur ein einziges Mal zu sehen, da ihr der Ruf einer überirdischen Schönheit vorauseilte und er wollte sich nun mit eigenen Augen davon überzeugen, dass die Leute Recht behalten sollten.

Viele schöne, junge Männer hatten versucht sie zu erblicken, erstarrten aber zu Stein, sobald Saranja erschien, weil ihre Schönheit sie mehr blendete als das Licht der Sonne.

Das schreckte den Jüngling aber nicht ab, sondern spornte ihn umso mehr an, dieses Mädchen von dem Zauber, an den es gebunden war, zu befreien.

Er machte sich auf die drei Tage lang andauernde Reise auf dem Rücken seines Pferdes Arabius, der ein schwarz glänzendes Fell und einen majestätischen Gang hatte.

Es war ein recht beschwerlicher Weg für Doranius und sein Pferd, da sie durch dichte, dunkle Wälder ritten und reißende Flüsse überqueren mussten. In den Sumpfländern, an denen sie vorbeikamen, versuchten Irrlichter sie ins Dunkel der Nacht zu locken, damit sie niemals wieder den Weg zurückfinden können. Doch mithilfe einer göttlichen Kraft und vielen Engelwesen, die sie unsichtbar begleiteten, wurden sie auf den richtigen Weg geführt und gelangten zum Ende ihrer Reise. Vor ihnen lag der Eingang des Zaubergartens … ein riesiges, schmiedeeisernes Tor.

All die Strapazen und Mühen der letzten Wochen hatten sich also gelohnt.

Doranius stieg ab und band Arabius an einem Baum fest, damit dieser sich ausruhen und sich mit frischem, grünem Gras, das ringsum wuchs, stärken konnte.

Doch Doranius selbst konnte keine Ruhe finden.

Da es kurz vor Mitternacht war und Saranja gleich mit der geisterhaften Umrundung des Sees beginnen würde, wollte er keine Zeit verlieren.

Er kletterte über das Tor, sprang an der anderen Seite herunter und sah sich erst einmal um.

Die Nacht wurde erhellt vom Schein des vollen Mondes, so dass er vor sich den See und die Bäume, die ihn säumten, gut erkennen konnte.

Doranius ging hinüber zu dem Baum wo Saranja erscheinen sollte und wartete ab.

Es waren noch fünf Minuten bis Mitternacht.

Plötzlich erklangen in der Ferne die Kirchturmglocken und er zählte … zwölf …

Da formte sich direkt neben ihm aus dem Nichts eine Gestalt, die zuerst durchscheinend war und dann immer mehr Konturen annahm. Schließlich stand dort ein wunderschönes Mädchen aus Fleisch und Blut, mit glänzenden Haaren aus Gold und einem mit Silberfäden durchwirkten, weißen Kleid.

Der junge Doranius war wie gebannt und traute seinen Augen kaum, obwohl er es unzählige Male gehört hatte, dass sie des Nachts erschien und er genau deswegen diesen Zauberort aufgesucht hatte.

Saranja wollte gerade mit ihrem nächtlichen Marsch beginnen, da erwachte Doranius aus seiner Starre und stellte sich ihr in den Weg.

Da geriet das schöne Mädchen ins Schwanken und hielt inne in ihrem Lauf, doch der Zauber, dem sie gehorchte, ließ sie nicht ruhen und sofort stand sie wieder fest auf ihren Beinen und lief durch ihn hindurch in Richtung See. Doranius jedoch ließ sich nicht beirren und ihm wurde bewusst, dass er beim ersten Anblick Saranjas sein Herz an sie verloren hatte. Bei dem Gedanken daran, er könne sie noch in dieser Nacht von dem Zauber erlösen, fing sein Herz wie wild an zu pochen und machte Freudensprünge.

So schoss es ihm durch den Kopf und Herz und er rannte der flatterhaften Spukgestalt Saranjas, die immer blasser wurde, hinterher.

In dem Moment als er sie einholte, warf er sich vor ihr auf die Knie und sagte:

„Wunderschönes Mädchen. Ich bin hier, um Dich zu meiner Frau zu nehmen, weil ich mich soeben unsterblich in Dich verliebt habe und keine Sekunde ohne Dich sein kann. Ich entbinde Dich von Deinem Zauber und werde bis in alle Ewigkeit als Gefährte an Deiner Seite sein. Ich werde Dich schützen, begleiten und aus tiefstem Herzen lieben, da ich mich in Dir gefunden habe und auch der Tod kann uns nicht trennen. So will es meine Seele.“

Nachdem er diese Worte gesprochen hatte, veränderte sich alles um ihn herum.

Plötzlich fingen die Vögel mitten in der Nacht an zu singen, Tiere krochen aus ihren Verstecken heraus und der Mond warf einen gleißend goldenen Strahl auf den Ort dieses Zaubers.

Der Garten erblühte und erstrahlte in tausend verschiedenen Farbtönen und war ein endloser Klang aus Vogelgezwitscher, Feengesäusel und Sternengeflüster. Denn auch sie hatten alles ganz genau mitbekommen und freuten sich nun für das junge Paar.

Aber – Saranja war verschwunden.

Doranius traute seinen Augen nicht, nirgends konnte er sie erblicken, obwohl diese Nacht ihm heller schien als so mancher Tag bei Sonnenlicht. Er war den Tränen nahe und glaubte nun Saranja für immer verloren zu haben, da er es nicht geschafft hatte sie von dem Zauber, der sie umgab, zu erlösen.

Doch plötzlich, wie aus dem Nichts, stand sie da, seine Angebetete. Umhüllt von einer Aura aus gleißend hellem, weißem Licht, sah Saranja ihn aus smaragdgrünen, tief blickenden Augen an und sagte:

„Holder Jüngling, Du hast mich erlöst und meine Seele ist frei und dankt Dir dafür. Unsere beiden Seelen sollen auf ewig miteinander verbunden sein.

Dieser Garten ist von nun an der Garten immerwährender Liebe und Harmonie. Er soll den Menschen Segen, tiefes Glück und Freude bringen.

Ich will von nun an die Deine sein und zusammen werden wir anderen Liebenden helfen einander zu finden, damit letztendlich diese Liebe die Welt heilt und alle Lebewesen, ob Stein, Pflanze, Tier oder Mensch in Frieden miteinander leben können.

Das innere Licht eines Jeden von uns soll mit dem Licht des anderen verbunden sein und auf ewig leuchten, damit die Erde ein strahlender, schöner und liebevoller Planet wird, wo Jeder dem Anderen mit Achtung und Respekt begegnet.“

Kaum hatte sie diese Worte gesprochen, so dehnte sich Saranjas Aura aus und wurde immer heller, bis sie sich mit Doranius´ Aura verband und beide in einer blitzartigen Explosion von Licht und Liebe zu einem einzigen Lichtwesen wurden, dass in unzähligen Farben leuchtete.

Es flackerte und pulsierte und tauchte schließlich ein in die Ewigkeit des Seins, wo auch die Seelen der Verstorbenen sind und derer die wieder auf diese Welt kommen.

 

Hier endete die Großmutter mit ihrer Erzählung, denn die kleine Enkelin war längst auf ihrem Schoss eingeschlafen.

Am Ende flüsterte sie noch in ihr Ohr:

„Viele Menschen glauben, das Verschmelzen von Doranius und Saranja, sei die Geburt der Sonne gewesen und unsere Erde war einst dieser wunderschöne, friedvolle Zaubergarten, den manche auch Garten Eden – das Paradies – nennen.

Die Liebe ist immer da, auch wenn die Hüter des Gartens manchmal zu schlafen scheinen.“

 

 

 

Silbermond

 

 

Alles hat einen Anfang … alles ist … doch niemals gibt es je ein Ende, da der Anfang am Ende stets zu seinem Ursprung zurückkehrt.

So erfahren wir mit dem Wandel der Zeit, durch all die Jahrhunderte und Jahrtausende, die vergangen sind, dass niemals jemand oder etwas verloren geht.

Alles ist an seinem Platz und erreicht am Ende die Fähigkeit, alles loslassen zu können, da alle die Dinge zu einem zurückfließen, an denen man nicht festhält und denen man die innere Freiheit schenkt, nach der man sich selbst auch sehnt und die eine Bedingung dafür ist, sein Leben in Frieden, Freude und unermesslichem inneren Reichtum zu führen. Nun hört meine Geschichte …

Am Anfang …

Über allem lag tiefe dunkle Nacht … das Universum dehnte sich aus und zog sich wieder in sich zusammen, alles atmete und war erfüllt von einer undurchdringlichen Stille, in der man den Pulsschlag all der Myriaden von Sternengalaxien erspüren konnte, wo auch immer sie in dieser unendlichen Weite auch verborgen lagen.

Alles schien schwarz, endlos und dunkel und doch war alles Licht.

Unendliche Farbpigmente, in ihren zahllosen Formen einzigartig, vibrierten im unsichtbaren Äther des endlosen Alls.

In den schillerndsten Tönen durchzuckten sie den grenzenlosen Raum und erfüllten ihn mit sichtbarem Leben.

Alles, was zuvor noch in tiefe, scheinbar endlose Finsternis getaucht war, wurde zu Licht … nahm Form an, veränderte sich, wurde durchscheinend und ruhelose Teilchen gleißend heller Energie durchzogen den Raum, dessen Grenzen unbekannt waren.

Nichts, was zuvor scheinbar nach etwas Bestimmtem, Definierbarem aussah, hielt dem Schein stand … alles zerfloss … kehrte zu seinem Ursprung zurück und zeigte im Wandel hin zum Licht die Wahrheit und den Glanz seiner ewigen Herkunft.

Mit dem Aufbrechen der kosmischen Grenzen waren der alles sprengenden Gestaltungskraft des Universums zahllose Möglichkeiten gegeben … alles zu verändern, die alles durchdringende Dunkelheit mit Licht und Farbe zu durchziehen und diesen Farben wiederum Form und Klang zu geben.

Alles war vorbereitet, alles wartete gespannt auf den einen, neuen, alles entscheidenden Augenblick … voller Vorfreude und Spannung.

Alles wurde ruhig und nicht der Hauch eines Lautes war mehr zu vernehmen … nur der Bruchteil einer Sekunde verging … ein Bruchteil, der sich ewig auszudehnen schien in den endlosen Weiten einer nie gekannten Welt voller Geheimnisse und Rätsel, die kein Ohr je vernommen hatte und deren Auflösung unerreichbar schien.

Die Zeit rückte einen Sekundenbruchteil weiter und alles hielt den Atem an, um in der mystischen Einheit dieser Stille die intergalaktische Verwandlung willkommen zu heißen.

 

„Und all die Sterne (deren Zahl man nicht benennen kann) tanzten, wiegten hin und her und lauschten … und lauschten …“

 

Und plötzlich … unaufhörlich, eindringlich und das tiefste Innerste des Universums erschütternd war sie da … aus der lautlosen Stille schoss, hinter sich her schwingend einen Schweif intergalaktischen, phosphoreszierenden Lichtes, ein kosmischer Strahl, der die undurchdringliche Tiefe dieses einzigen Augenblicks je durchschnitt.

Nichts war mehr so, wie noch einen Sekundenbruchteil vorher … jedes kosmische Wesen hatte es geahnt und doch …

Alles war anders … überraschend … und doch ungeahnt … niemand hätte es je vorhersagen können, was wohl geschehen könnte und vor allem wie.

Nun war sie da, die lang ersehnte und allen Dingen eine neue Ordnung gebende kosmische Veränderung.

Alles war durcheinander gewirbelt worden, das kleinste und noch das größte Teilchen im Universum jäh aus seiner Bahn gerissen und doch …

Es war etwas in Bewegung gekommen, die Starre verwandelt in freudige Lebhaftigkeit und alles strebte darauf hin sich neu zu ordnen, um sich vollends entfalten zu können. Noch etwas brachte das plötzliche Auftauchen des kosmischen Strahls mit sich … die innere und äußere Struktur des gesamten intergalaktischen Systems begann sich zu verändern … vom kleinsten Stern hin bis zum größten Planeten … kein Wesen konnte sich der Magie des alles verändernden Augenblicks entziehen.

Jeder wurde mit einbezogen, nichts wurde dem Zufall überlassen und die mächtige, unsichtbare Hand der schöpferischen Allmacht tat ihr Übriges, um den Wandel hin zum Licht immer weiter zu beschleunigen und allen den ihnen gebührenden Platz im endlosen Universum zuzuweisen.

„Der endlose, göttliche Schweif aus der Ewigkeit … gekommen, um den Wandel zu verkünden und eine Ära von Licht und Liebe einzuläuten, in der alle Galaxien die Fähigkeit erhalten, sich den hohen, feinen und göttlichen Schwingungen anzupassen, um die wahre Einheit mit allem zu erspüren und diese zu leben.“

An jedes noch so kleine Detail war gedacht und die wahrhaftige Allmacht der göttlichen Schöpferkraft nun endlich für alle spürbar, die vorher nur den Hauch einer Ahnung davon hatten. Niemand zweifelte mehr daran, dass allen Dingen eine unsichtbare, übergeordnete Kraft innewohnt, die so manche Geschicke lenkt und mit Macht über das Innere einen äußeren Wandel herbeiführt, der aus der Irre hinausführt und das innere Licht eines jeden Wesens zum Vorschein bringt.

Alles war nun tief durchdrungen von einer göttlichen Intensität, die alles zum Strahlen brachte und ein magisches Glitzern durchzog den luftleeren Raum … alles war so neu … so anders … und doch so vertraut. Dort war er nun also, dort thronte er … fein, majestätisch still und unbeschreiblich schön in seiner glanzvollen Pracht … sein alles überschauender, würdevoller Blick hielt allem stand und ruhte doch genug in sich selbst, um die innere Verbindung zum kosmischen Chaos nicht aus den Augen zu verlieren.

Nur zu beobachten schien er, doch war es mehr als Anteilnahme, was ihn dazu veranlasste, sich mitten in diesem Durcheinander für alles und jeden sichtbar zu machen, um ihnen zu zeigen, wie viel möglich ist, wenn man über alle je vorstellbaren inneren und äußeren Grenzen hinausging.

So war es vollbracht und zögerlich erst, dann immer mehr aus sich herausgehend, schickte er die ersten silbernen Fünkchen, kaum größer als Schneekristalle, hinaus in die unergründliche Finsternis, des ihm so vertrauten Universums.

Erst langsam, dann stetig schneller werdend, stoben die nun in gleißend silbernem Licht badenden, um sich selbst tanzenden, elektrisierenden Kristallteilchen auseinander und zischten mit Lichtgeschwindigkeit hinaus in die Weite, um sich am Ende zu einer einzigen sichtbaren Form zu verbinden.

Das Sein in all seiner überirdischen Pracht, in sich selbst ruhend … nun kristallklar, strahlend und atemberaubend unfassbar … der Silbermond … manifestierte Hingabe und Liebe als Antwort auf die Ewigkeit des Seins.

Sein Erscheinen … die Antwort auf das Echo des Universums …

Seine innere Kraft und Herrlichkeit … der Wegweiser für die eigene innere Wahrheit, die den Dingen zu Grunde liegt.

Seine kristallklare und strahlende Schönheit … Repräsentant für das verborgene Wissen um die jedem Wesen eigene Seelengröße und Güte des strahlenden ewigen Herzens. Mit Gewissheit und Wahrheit in seinem edlen Herzen … DER SILBERMOND … Wächter über Zeit und Raum … geboren in den endlosen Weiten des einen Alls … des All-Einen … Bote, Beschützer und König des Seelenherzens und Heiler der Welten … DER SILBERMOND … nicht hier, nicht dort … sichtbar und unsichtbar … fern und nah und ALLES